Grüne Mitte

Aus Maintalwiki

Die Grüne Mitte ist ein Naherholungsgebiet zwischen den Maintaler Stadtteilen Bischofsheim im Norden, Hochstadt im Nordosten und Dörnigheim im Osten. Südlich der Grünen Mitte ist der Main und westlich ist Ackerland. Entstanden ist das Gebiet dem Ende der 70er Jahre.

Das Gebiet besteht aus Ackerland, Grünland, drei jeweils ca. 7 Hektar[1] großen Seen und einem ca. 50 Hektar[2] großen Wald. Außerdem steht das Maintalbad in der Grünen Mitte.

Es laufen wichtige Verkehrsverbindungen durch die Grüne Mitte: die Eisenbahnlinie Frankfurt-Hanau, die Bundesautobahn 66 und die Frankfurter Landstraße (L 3268).[3]

Bestand

Wald

Im Osten der Grünen Mitte ist ein 50 Hektar großes Waldgebiet. Es befindet sich südlich der Bahnlinie Frankfurt-Hanau und nördlich der Frankfurter Landstraße. Östlich des Waldes ist die Straße In der Kirschschal und westlich ist der Höllsee und die Straße Im Linnen.

Seen

In der Grünen Mitte befinden sich drei Seen. Der nördlichste See, der Anglersee, ist in Hochstadt und direkt südlich der A 66. Die beiden anderen Seen befinden sich in Dörnigheim: Der Surfsee ist ca. 240 Meter südlich den Anglersees und nördlich der Eisenbahnlinie; und der Höllsee ist südlich der Eisenbahnlinie, ca. 475 Meter vom Surfsee entfernt, und nördlich der Frankfurter Landstraße.

Alle drei Seen sind durch Bäche miteinander verbunden. Die Braubach fließt aus dem Osten in den Surfsee und dann über den Höllsee in den Main. Durch den Anglersee fließt der Landgraben (Waidbach[4]) westlich den Maintalbads in die Braubach.[5]

Geschichte

Kiesgrubengelände

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war das Gelände Ackerland. Als zum Wiederaufbau Frankfurts Kies benötigt wurde, enstanden auf dieser Fläche Gruben, die sich allmählich mit Grundwasser gefüllt hatten. Diese Seen wurden in den Jahren 1969 bis 1974 schließlich beim Bau der Frankfurter U-Bahn mit dem angefallenen Erdaushub verfüllt. Um sicherzustellen, dass dort Pflanzen wachsen können, musste die Stadt Maintal für 200.000 DM das Gelände mit Mutterboden abzudecken. Die Aufforstung, die nochmals 25.000 DM je Hektor kostete, musste Maintal nicht alleine tragen. Ende der 1970er Jahre begann die Stadt Maintal zusammen mit der Frankfurter Flughafen AG, das Ödland mit Hainbuche, die Erle, Esche, Linde, Rot- und Stileiche zu bepflanzen. Die Frankfurter Flughafen AG gab je Hektar 15.000 DM dazu, weil sie für die Startbahnverbreiterung Wald abgeholzt hatte und zu einer Ersatzaufforstung in der Umgebung verpflichtet war. Dieses neue Waldstück sollte erstens den Zweck erfüllen, Dörnigheim und Hochstadt vor Abgasen zu schützen, und zweitens ein Naherholungsgebiet mit 40 Hektar Grünland und drei Baggerseen bilden.[6]

Frankfurter Erholungsgebiet in der Gemeinde Dörnigheim

1960 wurden Pläne entwickelt, um Frankfurt herum einen Ring von Erholungsgebieten zu schaffen, weil es für die Stadt Frankfurt schwierig geworden war, für die eigene Bevölkerung ausreichende Erholungsflächen zu erschließen. Das Gebiet zwischen Dörnigheim und Bischofsheim sollte das erste dieser Art werden. Es sollte mehr als eine kommunale Badeanstalt werden. Aus den Kiesgruben würden Seen mit echtem Strand und flachem Badeufer werden. Am Rand des Naherholungsgebietes sollte große Parkplätze entstehen und es dürften keine Autos reinfahren. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Gelände dem Hospital zum Heiligen Geist.[7] 1962 wurde außerdem ein großes Schwimmbad für das Erholungsgebiet geplant.[8]

Ein Jahr später war die Rede von zwei Schwimmbädern. Die Arbeiten dafür verzögerten sich allerdings, da das Gartenamt Frankfurt das Wasser prüfen musste. Die Stadt Frankfurt plante 1963 1,25 Millionen Mark in das Erholungsgebiet zu investieren.[9] Noch im selben Jahr schreibt die FAZ: "Der Plan wurde zwar nicht aufgegeben, doch hat er für lange Jahre keine Aussichten."[10]

1965 gingen die Dörnigheimer Sozialdemokraten davon aus, dass das Erholungsgebiet mit Schwimmbädern in absehbarer Zeit nicht möglich wäre, da die Stadt Frankfurt "übermäßig stark finanziell belastet" sei, und plante selbst ein Schwimmbad.[11]

Zentrum einer neuen Stadt

Die Regionale Planungsgemeinschaft Untermain war in den 1960er-Jahren von der Stadt Dörnigheim und den Gemeinden Bischofsheim und Hochstadt damit beauftragt worden, einen gemeinsamen Flächennutzungsplan für das Gelände zwischen Main und den drei Gemeinden zu entwickeln. Das etwa 200 Hektar (bzw. 260 Hektar[12]) große Gelände war 1969 als Zentrum einer neuen Stadt zwischen Frankfurt und Hanau geplant. Diese Stadt sollte im Endausbau etwa 50.000 Einwohner (bzw. 60.000 Einwohner[13]) haben. Zu diesem Zeitpunkt hatten Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt gemeinsam bereits 30.000 Einwohner. Die heutige Grüne Mitte sollte somit etwa 20.000 Einwohner beherbergen.[14] Große Befürchtungen wurden bezüglich der geplanten sechsspurigen Autobahn Bingen-Hanau (Rhein-Main-Schnellweg) geäußert. 1970 war noch nicht festgelegt, ob die Autobahn auf der heutigen Südtrasse verlaufen würde und somit die Grüne Mitte durchschneidet. Die Hoffnung war im Falle der Südtrasse, dass die Autobahn als eine Stadtautobahn geplant und eher verbindend als trennend wirken würde. Das Zentrum sollte sehr dicht bebaut werden mit bis zu "zwanziggeschossigen Hochhäusern, Wohnblocks und Familienheimen". Zusätzlich würden "Fußgängerparadise" an den geplanten fünf bis sechs Meter großen Seen entstehen, die "bis in den Kernbereich hinein vorzustoßen".[15]

Der Bürgermeister Erwin Henkel plante in den 1970er-Jahren, zwischen Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt im Grünen das bereits errichtete Schwimmbad um Rathaus, Post und ein Warenhaus zu ergänzen und so ein Stadtzentrum zu schaffen. Ohne einen städtischen Mittelpunkt würde Maintal keine richtige Stadt werden, meinte Henkel.[16]

1977 erklärte Stadtrat Wilhelm Lapp, dass die Stadt aus dem reduzierten Bevölkerungswachstum Konsequenzen gezogen hatte und keine Bebauung der Grünen Mitte mehr vorsah. Stattdessen wurde geplant, das Zentrum als Grünzone auszubauen.[17]

Ein Wasserdurchbruch im Rathaus Bischofsheim war 2002 Anlass, über einen Rathausneubau zu diskutieren. Dabei gab es auch den Vorschlag, neben dem Maintalbad ein Rathaus für 10 Millionen Euro zu bauen.[18]

Naturschutzgebiet

Entstanden sind die drei Gewässer als für den Bau der A 66 Kies ausgebaggert wurde. Dafür wurde das Bundesministerium für Verkehr Eigentümer der jeweiligen Gebiete. Die Gemeinde Bischofsheim hatte sich eine Übereignung der Seen nach vollendetem Autobahnbau zugesichert, jedoch nicht schriftlich. Daher konnte die Stadt Maintal die Seen nicht kostenlos beanspruchen. Sie einigte sich mit dem Verkehrsministerium auf einen Quadratmeterpreis von 1,75 DM (2,5 DM wurden gefordert, 1 DM betrug das Angebot der Stadt). Der Magistrat hatte nach der Einigung seine Bereitschaft zum Erwerb der Seen erklärt, jedoch forderten die Maintaler Vogelschutzgruppe und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz die Einrichtung eines Naturschutzgebietes am Surfsees. Dadurch würde das Interesse der Stadt ganz erlischen oder sich auf die beiden nördlichen Seen reduzieren.[19]

Olympia 2012

Frankfurt und die Rhein-Main-Region bewarben sich 2002 für Olympia 2012. Der Maintaler Magistrat plante dafür den Bau einer 2.250 Meter langen und 162 Meter breiten Ruderstrecke in der Grünen Mitte, falls Frankfurt sowohl die innerdeutsche Vorauswahl 2003[20] als auch international 2005[21] den Zuschlag gewinnt. Die Fraktionen von CDU und SPD schienen diesen Plan zu unterstützen. Der Erste Stadtrat Erich Schächer versprach sich mit der Bewerbung auch die Möglichkeit, Altlasten im Boden mittels finanzieller Förderung loszuwerden. Die Umweltschützerin Loeki Häger-Hogerland war als Maintals bekannteste Umweltschützerin eine der prominentesten Stimmen gegen die Ruderstrecke, da dadurch Natur und Lebensräume zerstört würden.[22] Wenig später wurde bereits von zwei künstlichen Seen "für die Ruder- und die Kanuwettbewerbe sowie eine Wildwasserstrecke"[23] und einem "Wassersportzentrum"[24] gesprochen.

Die "Altablagerungen", die aufwendig beseitigt werden müssten, waren nachteilig für die Frankfurter Bewerbung.[25]

Am 24. Juni 2002 beschlossen die Fraktionen der CDU, SPD, FDP und Grünen in der Stadtverordnetenversammlung, den Grundsatzbeschluss über ein Wassersportzentrum für Olympia zu verschieben, bis Finanzierung, Mitsprache und Infrastrukturmaßnahmen verbindlich feststehen. Die Stadtverordneten forderten außerdem, die Altlastensanierung zu prüfen. Der ehrenamtliche Stadtrat Rolf Teicher (CDU) meinte, dass längst bekannt sei, dass im Boden der Grünen Mitte "so ziemlich alles außer Gold und Silber" vergraben sei. Der Magistrat wollte dem Olympia-Plan bereits zustimmen. Bürgermeisterin Dorothee Diehl (CDU) nannte allerdings auch Bedingungen für die Olympia-Zusage: Die Bundesstraße 8 solle ausgebaut werden und Rückbau der Olympia-Anlagen müsse bereits geplant sein. Es gab neben den Republikanern auch in den anderen Fraktionen entschiedene Gegner. Für die Abstimmung war der Fraktionszwang aufgehoben. Unter den Besuchern der Sitzung war die Mehrheit gegen Olympia. Dies brachten sie unter anderem laut zum Ausdruck als der Grüne Peter Arendt die Entstehung der Grünen Mitte als "relativ junges Nebenprodukt des Autobahnbaus" bezeichnete und sie kein seit Jahrzehnten gepflegtes Naturschutzgebiet sei.[26]

Am 23. September 2002 stimmte das die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich und ohne Fraktionszwang für Olympia, allerdings knüpften sie die Maintaler Zusage an Bedingungen. Beispielsweise sollte der Stadt Maintal in keiner der Phasen der Planung, Bauausführung und Nachnutzung direkten Kosten entstehen. Zudem mussten alle vertraglichen Angelegenheiten zu Olympia wenigstens über den Haupt- und Finanzausschuss laufen. Der Fraktionsvorsitzende und einzige Stadtverordnete der Grünen, der für Olympia stimmte, Peter Arendt, sah darin einen Beleg für das Misstrauen der Stadtverordneten gegenüber dem Magistrat. Zu den Befürwortern Olympias gehörten hauptsächlich Vertreter der CDU, SPD und FDP, etwa der Fraktionsvorsitzende der SPD, Karl-Heinz Kaiser und der Fraktionsvorsitzende der FDP, Dieter Fritz. Zu den Gegnern neben der Mehrheit der Grünen, Karla Köllner (SPD) und Martel Hofmann (CDU), die die hohen Kosten kritisieren. Außerdem versuchte Kurt Wörner, Sprecher der "Bürgerinitiative gegen die Zerstörung der Grünen Mitte", die Olympia-Pläne zu stoppen und führte neben Naturschutz auch die Sorge vor Überschwemmungen als Gründe an.[27]

Im April 2003 wählte das Nationale Olympische Komitee (NOK) in München Leipzig zum deutschen Kandidaten für die Olympischen Sommerspiele 2012.[28] Der Frankfurter Sportdezernent Joachim Vandreike (SPD) äußerte im Mai allerdings noch die Hoffnung, Land und Region könnten in Maintal die neue Ruderstrecke zu bauen und das Olympia-Konzept abgespeckt umsetzen.[29][30]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.1980, S. 31.
  2. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.1979, S. 52.
  3. Vgl. Plan Grüne Mitte 22.4.2002 https://web.archive.org/web/20210910094208/https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/8f74b2a02acb46276bfde4edaf30666b99276/plan_gruene_mitte.pdf (aufgerufen am 10.09.2021).
  4. Vgl. Plan Grüne Mitte 22.4.2002 https://web.archive.org/web/20210910094208/https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/8f74b2a02acb46276bfde4edaf30666b99276/plan_gruene_mitte.pdf (aufgerufen am 10.09.2021).
  5. Vgl. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (10.09.2021).
  6. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.1979, S. 52.
  7. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.1960, S. 30.
  8. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.1962, S. 13.
  9. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.1963, S. 60.
  10. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.1963, S. 27.
  11. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.1965, S. 16.
  12. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.1970, S. 27.
  13. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.1970, S. 27.
  14. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.1969, S. 40.
  15. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.1970, S. 27.
  16. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.1975, S. 20.
  17. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.1977, S. 56.
  18. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2002, Nr. 68, S. 62.
  19. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.1980, S. 31.
  20. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2002, Nr. 130, S. 84.
  21. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2002, Nr. 130, S. 84.
  22. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2002, Nr. 112, S. 64.
  23. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2002, Nr. 112, S. 70.
  24. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2002, Nr. 112, S. 53.
  25. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2002, Nr. 130, S. 84.
  26. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2002, Nr. 145, S. 64.
  27. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2002, Nr. 223, S. 54.
  28. Vgl. https://web.archive.org/web/20130615003203/https://www.spiegel.de/sport/sonst/olympia-entscheidung-leipzig-sticht-hamburg-aus-a-244610.html.
  29. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2003, Nr. 112, S. 43.
  30. Vgl. https://web.archive.org/web/20211207013253/https://www.klee-klaus.de/gruene_mitte.htm (16.2.22).