Bürgermeister

Aus Maintalwiki

Der Bürgermeister führt den Magistrat (Gemeindevorstand)[1] und leitet die Verwaltung. Seit 2016 ist Monika Böttcher die Bürgermeisterin von Maintal.[2]

Wahl

Bürgermeister werden in Hessen direkt gewählt und auf sechs Jahre gewählt. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Gelingt das keinem Kandidaten im ersten Wahlgang, findet eine Stichwahl mit den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen statt.[3]

Bis zum einschließlich 31. März 1993 wurden Bürgermeister von den Stadtverordneten gewählt.[4]

Am 20. Januar 1991 wurde eine Volksabstimmung über die Einführung der Direktwahl der Bürgermeister und Landräte durchgeführt. Mehr als 75 % der gültigen abgegebenen Stimmen waren für die Einführung.[5]

Hinter der Einführung der Direktwahl von Bürgermeistern durch die schwarz-gelbe Landesregierung Hessens wird ein machtpolitisches Motiv vermutet: Die Stärke der SPD bei Kommunalwahlen führte regelmäßig dazu, dass sie die größte Fraktion stellten und somit auch meist das Amt des Bürgermeisters besetzten. Die eingeführte Direktwahl sollte wenigstens letzteres ändern. Empirisch belegt ist, dass eine Folge ein deutlich geringerer Anteil von SPD-Amtsinhabern war. Bei Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern konnte zudem ein größerer Anteil parteiloser Bürgermeister festgestellt werden. Das offizielle Ziel, die Stärkung der lokalen Demokratie, wurde dagegen nicht erreicht; die Bevölkerung wurde nicht mehr mobilisiert oder politisiert. Es fand dagegen eine Ent-Parteipolitisierung, aber auch eine faktischer Konkurrenzausschluss statt. Der enorme Amtsbonus des Bürgermeisters scheint dafür zu sorgen, dass bei Wahlen, in denen der Amtsinhaber erneut antritt, immer seltener Mitbewerber antreten.[6]

Übersicht

Staatsbeauftragter Bürgermeister (1974–1975)

Mit Gründung der Stadt Maintal wurde ein staatsbeauftragter Bürgermeister eingesetzt, bis ein neuer Bürgermeister gewählt und ins Amt eingeführt wurde. Dies war der Georg Krieger, der Bürgermeister der zuvor eigenständigen Gemeinde Bischofsheim gewesen war. Seine Amtszeit dauerte von Juli 1974 bis Anfang 1975.[7]

Indirekt gewählte Maintaler Bürgermeister (1975–1993)

Amtszeit Name Partei
1975–1981 Erwin Henkel SPD
1981–1983
1983–1989 Walter Unger SPD
1989–1995

Bürgermeisterkandidaten (Direktwahl ab 1993)

In der folgenden Tabelle sind alle Kandidaten aufgeführt, die zu Bürgermeisterwahlen der Stadt Maintal antraten. Fett markiert sind die Kandidaten, die in einem Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben. Unterstrichen sind gewählte Kandidaten.

Bürgermeisterkandidaten der Stadt Maintal
Jahr Wahltermin CDU SPD FDP Grüne WAM FM Einzelbewerber Einzelbewerber
1995 29.01.1995[8] Erhard Rohrbach Peter Laskowski Peter Czerwonka
2001 28.01.2001[9] Dorothee Diehl Günther Wassermann
2003 14.09.2003[10] Erhard Rohrbach Günther Wassermann Peter Arendt Jörg Schuschkow Heinz-Joachim Pethke
28.09.2003[11] Erhard Rohrbach Günther Wassermann
2009 05.07.2009[12] Erhard Rohrbach Katja Weitzel Jörg Schuschkow
2015 13.09.2015[13] Markus Heber Sebastian Maier Klaus Gerhard Friedhelm Duch Monika Böttcher
27.09.2015[14] Sebastian Maier Monika Böttcher
2021 26.09.2021[15] Götz Winter Martin Spichal Monika Böttcher

Geschichte

Erwin Henkel

Bürgermeister Dörnigheims

Im April 1969 wurde Erwin Henkel zum neuen Bürgermeister Dörnigheims gewählt,[16] nachdem ein Monat zuvor Franz Fleck abgewählt wurde.[17] Am 14. Mai 1969 um 20 Uhr fand die Amtseinführung bei "Freibier für die Menge"[18] in der Turnhalle der Freien Turnerschaft 06 in der Uferstraße 4 statt.[19]

Rennen um das Bürgermeisteramt der neuen Stadt

1973 war zu klären, wer Bürgermeister der neuen Stadt Maintal werden sollte. Für den Bürgermeister Dörnigheims, Erwin Henkel, sprachen sein Bildungsweg ("der einzige Studierte") und "Praxis und Selbstvertrauen bei der Führung einer Stadtverwaltung".[20] Dementgegen standen Bischofsheims Bürgermeister Georg Krieger, der auch Vorsitzender des Hanauer Kreistages war; der Bürgermeister von Hochstadt, Philipp Ziegler, der im Kreisausschuss bedeutsam war; und der Bürgermeister Wachenbuchens, Günter Hack, der zugleich Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hanau-Land war. Zusätzlich wurde der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Josef Sigulla gehandelt, der bereits als Nachfolger seines Schwiegervaters, Georg Krieger, gehandelt wurde.[21] Wer Bürgermeister Maintals werden würde, schien nicht bloß eine Frage innerhalb der vier künftigen Stadtteile sein, wohl aber hauptsächlich eine, die die SPD entscheiden musste, da sie eine Mehrheit in allen Stadtteilen hatte.[22]

Erwin Henkel wurde im Dezember 1973 von den Dörnigheimer Sozialdemokraten für das Bürgermeisteramt der neuen Stadt Maintal nominiert. Da die Bischofsheimer Kandidaten, Georg Krieger und Josef Sigulla, sich aus dem Rennen zurückzogen, weil sie sich geringe Chancen ausrechneten (Sigulla) oder ein fortgeschrittenes Alter hatten (Krieger), und auch Philipp Ziegler bereits nahe der Altersgrenze war,[23] blieb neben Henkel nur noch der Bürgermeister Wachenbuchens, Günter Hack, übrig. Gegen den fachlich besseren Erwin Henkel aus Dörnigheim und für den Wachenbuchener Günter Hack sprach, dass dieser Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hanau-Land war und, dass dem Landrat des Landkreises Hanau, Martin Woythal, nachgesagt wurde, Günter Hack zu bevorzugen, da Henkel gute Beziehungen zur Hanauer SPD hatte, die Woythal Probleme bereitete.[24]

Mit dem Wahlergebnis der Kommunalwahl am 27. Oktober 1974 hatte die SPD keine absolute Mehrheit mehr und damit war die Bürgermeisterwahl keine parteiinterne Sache der SPD mehr. Sie war auf die FDP angewiesen, welche allerdings auch die einen CDU-Kandidaten hätte unterstützen können. Außerdem war Landrat Martin Woythal, dem nachgesagt wird, Henkel verhindern zu wollen, nicht mehr im Amt.[25]

Am Abend des 10. Dezember 1974 wurde Erwin Henkel im Evangelischen Gemeindezentrum in Dörnigheim mit den Stimmen der SPD und FDP zum ersten Bürgermeister Maintals gewählt.[26]

Versuch der Wiederwahl 1980

Am 1. September 1980[27] sollte der SPD-Bürgermeister Erwin Henkel wiedergewählt werden, da dessen sechsjährige Amtsperiode am 14. Januar 1981 endete und auch die Kommunalwahl Anfang 1981 bevorstand. Da in der zweiten Legislaturperiode der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit von 23 SPD-Stadtverordneten einer Opposition von 22 CDU-Stadtverordneten gegenüberstanden, war davon ausgegangen worden, dass Henkel wiedergewählt werden würde. Es gab allerdings einen Abweichler, "einen Judas in der Fraktion". Unterdessen wurde der umstrittene Stadtkämmerer Günter Hack wiedergewählt.[28] Später ging man in der SPD davon aus, dass kein persönliches Motiv für die fehlende Stimme vorlag, sondern menschliches Versagen. Vor dem zweiten Anlauf, Henkel wiederzuwählen, trat der Abgeordnete Ewald aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er wurde in Zusammenhang mit der Abgabe eines ungültigen Stimmzettels gebracht. Er litt unter einer Kriegsverletzung und der Einfluss der Medikamente sollten sich auf die Stimmabgabe ausgewirkt haben. Mit dem Nachrücker hatte die SPD-Fraktion wieder eine Mehrheit.[29]

Erneuter Versuch der Wiederwahl 1980

Am Donnerstagabend, den 18. September 1980 wurde Erwin Henkel im zweiten Anlauf als Bürgermeister wiedergewählt. Damit verlängerte sich seine Amtszeit um sechs Jahre, bis 1987. Nach der Wahl gab es eine große Aufregung, sodass Anwesende befürchteten, es würde handgreiflich werden. Grund für die Aufregung waren die Vorwürfe des Wahlvorstandmitglieds der CDU, Volker Fasbender, Stimmzettel seien markiert gewesen. Er habe in beiden Wahlgängen jeweils drei verschiedene Markierungen feststellen können. Das deute daraufhin, dass die SPD nicht an ihr Gerücht vom kranken Sozialdemokraten glaube, sondern auch andere Verdächtige habe, und von diesen markierte Stimmzettel als Beweis der Loyalität gefordert habe. Dies mache als Verstoß gegen das Wahlgeheimnis die Wiederwahl Henkels ungültig. Eine Überprüfung der Wahlzettel hatte der Stadtverordnetenvorsitzende Georg Krieger (SPD) abgelehnt, da die Wiederwahl Henkels zu feiern sei.[30]

Bereits die Ansetzung des zweiten Anlaufes wurde seitens der CDU kritisiert, da Sachanträge nach Ablehnung laut Geschäftsordnung erst nach einem Jahr wieder eingebracht werden dürften und Personalentscheidungen überhaupt nicht wiederholt werden dürfen. Somit wäre nach der Ablehnung am 1. September 1980 eine Neuausschreibung des Bürgermeisteramtes notwendig gewesen. Eine von der CDU als "Lex Henkel" bezeichnete Auslegung der SPD, wonach diese Entscheidung weder eine Personal- noch eine Sach, sondern eine "Zwitterentscheidung" sei, machte einen zweiten Anlauf zur Wiederwahl Henkels erst möglich.[31]

Die CDU-Fraktion legte Widerspruch gegen die Wiederwahl von Henkel ein und begründete dies mit mehreren Verstößen gegen die Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung.[32] Am 17. November wurde der Widerspruch der CDU mit den 23 Stimmen der SPD abgelehnt. Vor einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht war die SPD siegessicher, da sie die Wahl am 1. September nicht als die eigentliche Wahl des Bürgermeisters bewertete, sondern als Grundsatzbeschluss, dass keine Ausschreibung, sondern eine Wiederwahl stattfinden solle. Mit der Bewertung als Zwitterentscheidung und einer noch am 18. September bewirkten Änderung der Geschäftsordnung war die Wiederwahl Henkels für die SPD rechtens.[33]

Zweite sozialliberale Koalition und Rücktritt

Nach der Kommunalwahl von 1981 bildete sich in der Stadtverordnetenversammlung eine sozialliberale Koalition, die im Falle einer Neuwahl Henkel erneut wählen wollten. Aus diesem Grund zog die CDU ihre Klage beim Verwaltungsgericht in Frankfurt zurück. Wäre Henkels Wahl 1980 für ungültig erklärt worden, womit die CDU nach wie vor rechnete, hätte die Koalition aus SPD und FDP Henkel erneut für sechs Jahre gewählt und damit seine Amtszeit verlängert.[34]

Im Mai 1982 gab Erwin Henkel bekannt, dass er am 1. März 1983 Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes werden wolle. Als Grund gab er den Wunsch nach beruflicher Veränderung an. Vermutet wurde allerdings, dass ihn die Situation der Maintaler SPD dazu antrieb. Die Notwendigkeit einer zweiten Wahl im September 1980 wurde als für ihn belastend beschrieben. Außerdem sei das Ausüben seines Amtes mit den wechselnden Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung seit dieser Legislaturperiode schwierig.[35]

Im September 1982 wurde er zum Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes gewählt, trat sein Amt am 1. März 1983 an und räumte das Rathaus.[36]

Walter Unger

Ringen um die Nachfolge Henkels

Vor der Entscheidung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes im September 1982, also bevor Erwin Henkels Wechsel feststand, wurde bereits über seine Nachfolge spekuliert. Besonders das Verhalten der FDP wurde beobachtet. Die Freien Demokraten hatten sich zu Beginn der dritten Legislaturperiode mit den Sozialdemokraten auf eine lockere Zusammenarbeit verständigt, die wenige Sachfragen klärte, aber Erwin Henkel als Bürgermeister unterstützte. In den Sachfragen, wie etwa beim Haushalt 1982, waren FDP und CDU einander deutlich näher. Falls die FDP sich mit der SPD auf Walter Unger, der noch Erster Stadtrat war, als Nachfolger verständigen würde, könnte sie wieder Anspruch auf einen hauptamtlichen Sitz im Magistrat erheben. Sollte sie mit der CDU einen neuen Rathaus-Chef wählen, wäre kein hauptamtlicher Stadtratsposten neu zu vergeben.[37]

Erwin Henkel schlug vor, bis zu Wahl 1985, die Bürgermeisterstelle für zwei Jahre unbesetzt zu lassen, um Geld zu sparen. Das wurde von allen Seiten abgelehnt.[38]

Bei einer nichtoffiziellen Mitgliederversammlung der CDU versuchte der Vorsitzende Paul Mathes, der bereits zweimal Gegenkandidat Henkels war, für sich als Kandidat zu werben. Gegen ihn gab es Widerstand aus den Reihen der eigenen Stadtverordneten, die sich unter Druck gesetzt fühlten. Allerdings sorgte auch der Vorbehalt der Maintaler FDP gegen Mathes für Ärger, da sich die Christdemokraten von der kleinen FDP-Fraktion nicht den Kandidaten vorschreiben lassen wollten. Die Bereitschaft für einen CDU-Kandidaten war bei der FDP nämlich grundsätzlich vorhanden.[39]

Im Oktober 1982 haben sich die zuvor oft zerstrittenen Maintaler Sozialdemokraten geschlossen hinter ihren Kandidaten Walter Unger gestellt. Hinter diesem stünden somit 22 der 45 Stadtverordneten. Die CDU Maintal war dagegen gespalten und entschied sich mit achtzehn gegen neun Stimmen gegen den Vorsitzenden Paul Mathes als Kandidaten. Im Falle der Wahl Ungers würde ein Stadtratsposten freiwerden, den die Sozialdemokraten den Freidemokraten offerieren könnten. Die FDP erklärte jedoch, sie sei nicht am Posten des Ersten Stadtrates interessiert und wähle den fachlich geeignetsten Bürgermeisterkandidaten.[40]

Bei der Mitgliederversammlung der CDU am 4. November 1982 eskalierte der Streit um die Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Die Mehrheit der Partei-Mitglieder stellte sich gegen den Fraktionsvorsitzenden Leopold Reinhart und die Mehrheit CDU-Fraktion und hinter den Parteivorsitzenden Paul Mathes, der schließlich erklärte, auch gegen den erklärten Willen der Fraktion zu kandidieren.[41]

Im November 1982 gründete der CDU-Parteivorstand gemeinsam mit der Fraktion eine Kommission, um einen Bewerber für das Bürgermeisteramt zu suchen. Der Fraktionsvorsitzende Leopold Reinhart wurde zur Überraschung von Partei und Fraktion einstimmig gewählt. Leopold Reinhart war zuversichtlich, einen Kandidaten zu finden, der schließlich in der Stadtverordnetenversammlung von CDU und FDP gewählt werden würde, obwohl die SPD der FDP einen Stadtratsposten anbieten konnte. Als Kandidat wurde der Jurist Jochen Heumannd gehandelt, der mal Frankfurts jüngster Stadtverordneter gewesen und zu diesem Zeitpunkt Erster Stadtrat von Hattersheim war.[42]

Die SPD bot der CDU als Ausweg an, für die Wahl Walter Ungers, den Stellvertreterposten der CDU zu überlassen. Da die CDU-Fraktion gespalten war und der SPD lediglich eine Stimme fehlte, wurde die Wahl Ungers damit sehr wahrscheinlich.[43] Dass Unger scheinbar nur ein sozialdemokratischer Verlegenheitskandidat war,[44] spielte damit aufgrund der Zerstrittenheit der CDU und den Mehrheitsverhältnissen keine Rolle mehr. Die Möglichkeit einer Koalition beider Parteien wurde allerdings beiderseits aufgrund von zu großen inhaltlichen Differenzen deutlich bestritten.[45]

In einer Mitgliederversammlung des CDU-Ortsverbandes Dörnigheim wurde das SPD-Angebot der "Koalition in Personalfragen" klar abgelehnt. Die Mehrheit der Fraktion setzte weiterhin darauf, einen Bürgermeisterkandidaten zu finden und diesen mit der FDP und somit mit einer Mehrheit von einer Stimme in der Stadtverordnetenversammlung zum Nachfolger Henkels wählen zu können. Befürchtet wurde allerdings, dass aus dem Mathes-Lager eine Stimme für Walter Unger abgegeben werden könnte, sodass dieser dann wenigstens den Stadtratsposten einnehmen würde.[46]

Am 14. Dezember 1982 wählte die CDU-Fraktion den promovierten Historiker Thomas Groß einstimmig zu ihrem Bürgermeisterkandidaten.[47] Gegen Thomas Groß sprach die mangelnde kommunalpolitische Erfahrung, die in der Ausschreibung gefordert wurde. In einem anonymen Leserbrief an eine Lokalzeitung wurde daher an seiner Wählbarkeit gezweifelt. Sowohl die CDU-Fraktion als auch der Stadtverordnetenversteher bestellten daraufhin Rechtsgutachten. Ein Nutzen durch den Brief wurde Mathes zugeschrieben, der mit seinen Anhängern die Kandidatur von Thomas Groß kritisierte.[48]

Die CDU Maintal stellte im Januar 1983 den Ersten Stadtrat von Dreieich, Klaus Vetzberger, als Bürgermeisterkandidat auf. Am 19. Januar erklärte die FDP in einer erweiterten Fraktionssitzung ihre Unterstützung für Vetzberger. Dass die FDP unter den beiden knapp 40-jährigen Juristen, Vetzberger und Unger, die zudem beide in dieser Zeit als Erste Stadträte arbeiteten, lag hauptsächlich an der inhaltlichen Nähe zur CDU.[49] Rein rechnerisch hätte Vetzberger mit den Stimmen von CDU und FDP eine Stimme mehr als der SPD-Kandidat Walter Unger gehabt.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 31. Januar 1983 wurde Walter Unger mit 23 Stimmen als Nachfolger von Erwin Henkel gewählt. Auf den von CDU und FDP unterstützten Klaus Vetzberger entfielen 22 Stimmen, obwohl beide Fraktionen zusammen über 23 Stimmen verfügten. Dem CDU-Stadtverordneten Klaus Juritko[50] war vor der Wahl vorgeworfen worden, dass er sich von der SPD hatte bestechen lassen, um Unger zu wählen. Vor der Wahl gab er noch eine persönliche Erklärung ab, in der er die Vorwürfe bestritt. Dieser schlug als dritten Kandidaten neben Vetzberger und Unger noch den ehrenamtlichen Stadtrat Paul Mathes zur Wahl vor. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Laskowski gab bekannt, dass das Angebot der SPD noch stehe und sie bereit seien, einen Kandidaten von der CDU zum Ersten Stadtrat zu wählen.[51]

Nach der Wahl traten Paul Mathes und Klaus Juritko aus der CDU aus. Letzterer trat auch aus der Fraktion aus und wurde fraktionsloser Stadtverordneter. Mathes blieb zunächst ehrenamtlicher Stadtrat. CDU und FDP verloren somit ihre gemeinsame Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und hatten wie die SPD 22 Mandatsträger. Paul Mathes und Klaus Juritko erklärten nach der Wahl, dass es vonseiten der Christdemokraten Bestechungsversuche gab: Im Falle der Wahl Vetzbergers sollte Mathes den nächsten freiwerdenden hauptamtlichen Stadtratsposten erhalten und Juritko würde zur Belohnung Leiter des städtischen Bauhofs werden.[52] Weil in der CDU nach dem Austritt beider Stimmung gegen sie gemacht worden sei, trat auch Walter Herwig aus der Partei aus und schloss sich zusammen mit Klaus Juritko. Diese neue, vierte Fraktionsgemeinschaft kündigte Gespräche mit anderen Parteien an, insbesondere mit der SPD, die ihrerseits Hilfe angeboten hatte und bereit war, Paul Mathes zum Ersten Stadtrat zu wählen.[53]

Außerdem warfen die Liberalen den Sozialdemokraten vor, diese hätten sie zur Wahl Ungers mit dem Versprechen des freiwerdenden Stadtratsposten locken wollen. Zudem soll Eyerkaufer angekündigt haben, zum Machterhalt notfalls auch Paul Mathes als hauptamtlichen Stadtrat zu akzeptieren. Die SPD hingegen warf der FDP vor, gegen alle Bekundungen durchaus an Posten interessiert gewesen zu sein und den Bürgermeister stellen zu wollen. Nach für die FDP nicht zufriedenstellenden Gesprächen sollen sie, so Eyerkaufer, der CDU die Unterstützung eines Bürgermeisterkandidaten zugesichert haben.[54]

Am 1. März 1983 begann die erste Amtszeit von Walter Unger.[55]

Wiederwahl

Im Juli 1988 wurde Walter Unger von der SPD-Fraktion und dem SPD-Stadtverband zur Wiederwahl vorgeschlagen. Den Antrag sollte im September in der Stadtverordnetenversammlung gestellt werden.[56]

Die Grünen beschlossen, Walter Ungers bis Ende Februar 1989 laufende Amtszeit nicht vor der Kommunalwahl am 12. März 1989 zu verlängern, da dies einer Entmündigung der Wähler gleichkäme. Gegen seine Person hätten sie jedoch nichts einzuwenden gehabt.[57]

Am 26. September stimmte das Stadtparlament darüber ab, ob eine Wiederwahlhandlung vorgenommen werden soll. Die Sozialdemokraten stimmten dafür. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen.[58]

Im Juni 1989 wählten SPD und Grüne Walter Unger erneut zum Bürgermeister. Zusammen hatten sie einen Monat zuvor auch Karl-Heinz Schreiber zum Ersten Stadtrat gewählt. Im Gegenzug sollte mit Priska Hinz eine Grüne in den hauptamtlichen Magistrat ziehen, was allerdings erst im zweiten Anlauf geschah.[59]

Monika Böttcher

Wiederwahl 2021

Im Mai 2021 verkündete Monika Böttcher, sich für eine zweite Amtszeit zu bewerben.[60] Am 4. Juli 2021 wurde Götz Winter von der CDU Maintal zum Bürgermeisterkandidaten gewählt.[61] Ende Juli 2021 wurde Martin Spichal einstimmig von der SPD Maintal zur Maintaler Bürgermeisterwahl 2021 aufgestellt und galt als "Überraschungskandidat".[62]

Die parteilose Monika Böttcher wurde, wie am 17. Juli bekannt gegeben wurde, von den Grünen unterstützt.[63][64] Außerdem stellten sich zwei ehemalige Erste Stadträte hinter sie: der ebenfalls parteilose Ralf Sachtleber und Ellen Tappert von der CDU.[65]

Für den CDU-Kandidaten Götz Winter sprach sich auch die Wählervereinigung GEMEINSAM aus.[66]

WAM, FDP und AfD stellten keinen Kandidaten auf. Erich Albrecht, Vertreter letzterer Fraktion, befand, dass die Amtsinhaberin ihre Sache gut mache.[67]

Die Direktwahl des Bürgermeisters fand am Tag der Bundestagswahl 2021 statt. Im ersten Wahlgang war die Bürgermeisterwahl entschieden, da die Amtsinhaberin mit 50,5 % bereits die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Auf Götz Winter entfielen 28,5 % der Stimmen und auf Martin Spichal 20,9 %.[68]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. § 65 HGO https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/jlr-GemOHE2005pP65 (6.7.21).
  2. Vgl. https://www.maintal.de/seite/129459/b%C3%BCrgermeisterin.html (6.7.21).
  3. Vgl. http://www.lexsoft.de/cgi-bin/lexsoft/justizportal_nrw.cgi?xid=146137,50 § 39 HGO (5.7.21).
  4. Vgl. Klein, M., Lüdecke, Y. Ent-Parteipolitisierung und faktischer Konkurrenzausschluss bei Bürgermeister- und Landratswahlen. Z Politikwiss 28, 125–146 (2018), Seite 134. https://doi.org/10.1007/s41358-018-0134-3.
  5. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.1991, S. 33.
  6. Vgl. Klein, M., Lüdecke, Y. Ent-Parteipolitisierung und faktischer Konkurrenzausschluss bei Bürgermeister- und Landratswahlen. Z Politikwiss 28, 125–146 (2018), Seite 143f. https://doi.org/10.1007/s41358-018-0134-3.
  7. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.1987, S. 38.
  8. Vgl. https://statistik.hessen.de/direktwahlen/daten/gemeinden/maintal-stadt/209 (5.7.21)
  9. Vgl. https://statistik.hessen.de/direktwahlen/daten/gemeinden/maintal-stadt/210 (5.7.21)
  10. Vgl. https://votemanager-da.ekom21cdn.de/20030914/06435019/html5/Buergermeisterwahl_Hessen_273_Gemeinde_Stadt_Maintal.html (5.7.21)
  11. Vgl. https://votemanager-da.ekom21cdn.de/20030914/06435019/html5/Buergermeisterstichwahl_Hessen_294_Gemeinde_Stadt_Maintal.html (5.7.21)
  12. Vgl. https://votemanager-da.ekom21cdn.de/20090705/06435019/html5/Buergermeisterwahl_Hessen_152_Gemeinde_Stadt_Maintal.html (5.7.21)
  13. Vgl. https://votemanager-da.ekom21cdn.de/20150913/06435019/html5/Buergermeisterwahl_Hessen_146_Gemeinde_Stadt_Maintal.html (5.7.21)
  14. Vgl. https://www.hessenschau.de/politik/wahlen/direktwahlen/ergebnisse-buergermeister-stichwahl-maintal-270915,direktwahl-maintal-102.html (5.7.21)
  15. Vgl. https://web.archive.org/web/20210927095502/https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/buergermeisterwahl-maintal-die-ergebnisse-im-live-ticker-91005340.html (27.9.21).
  16. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.1969, S. 25.
  17. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.1969, S. 108.
  18. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.1969, S. 34.
  19. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.1969, S. 26.
  20. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.1973, S. 36.
  21. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.1973, S. 36.
  22. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.1973, S. 54.
  23. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.1973, S. 36.
  24. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.1973, S. 54.
  25. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.1974, S. 35.
  26. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.1974, S. 31.
  27. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.1980, S. 33.
  28. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.1980, S. 39.
  29. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.1980, S. 33.
  30. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.1980, S. 44.
  31. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.1980, S. 44.
  32. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.1980, S. 35.
  33. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.1980, S. 40.
  34. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.1981, S. 28.
  35. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.1982, S. 55.
  36. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.1982, S. 57.
  37. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.1982, S. 39.
  38. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.1982, S. 27.
  39. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.1982, S. 58.
  40. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.1982, S. 35.
  41. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.1982, S. 44.
  42. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.1982, S. 43.
  43. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.1982, S. 39.
  44. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.1982, S. 46.
  45. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.1982, S. 39.
  46. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.1982, S. 47.
  47. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.1982, S. 33.
  48. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.1983, S. 28.
  49. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.1983, S. 27.
  50. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.1983, S. 36.
  51. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.1983, S. 29.
  52. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.1983, S. 36.
  53. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.1983, S. 26.
  54. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.1983, S. 43.
  55. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.1983, S. 29.
  56. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.1988, S. 32.
  57. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.1988, S. 57.
  58. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.1988, S. 39.
  59. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.1989, S. 47.
  60. Vgl. https://web.archive.org/web/20210927114304/https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/buergermeisterwahl-maintal-amtsinhaberin-monika-boettcher-tritt-wieder-an-90576767.html (27.9.21).
  61. Vgl. https://web.archive.org/web/20210927115332/https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/buergermeisterwahl-maintal-cdu-kandidat-goetz-winter-setzt-auf-zusammenarbeit-90840801.html (abgerufen am 31.8.21).
  62. Vgl. https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/maintal-spd-kandidat-martin-spichal-ist-der-ueberraschungskandidat-bei-der-buergermeisterwahl-90896718.html (27.9.21).
  63. Vgl. Post vom 17. Juli 21 https://www.facebook.com/Die.Gruenen.Maintal/posts/4499609843405210 (aufgerufen am 15.8.2021).
  64. Vgl. http://web.archive.org/web/20210816210055/https://gruenemaintal.de/fraktion/pressemitteilungen/expand/817959/nc/1/dn/1/ (16.8.21).
  65. Vgl. https://web.archive.org/web/20210920125229/https://monika-boettcher.com/ (aufgerufen am 20.09.2021).
  66. Vgl. https://web.archive.org/web/20210927115036/https://www.vorsprung-online.de/mkk/maintal/349-maintal/191784-w%C3%A4hlervereinigung-%E2%80%9Egemeinsam%E2%80%9C-unterst%C3%BCtzt-cdu-b%C3%BCrgermeisterkandidat-winter.html (abgerufen am 27.9.21).
  67. Vgl. http://web.archive.org/web/20210928174848/https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/buergermeisterwahl-maintal-zurueckhaltung-bei-den-parteien-bisher-keine-weiteren-kandidaten-90782009.html (28.09.2021).
  68. Vgl. https://web.archive.org/web/20210927095502/https://www.op-online.de/region/main-kinzig-kreis/maintal/buergermeisterwahl-maintal-die-ergebnisse-im-live-ticker-91005340.html (27.09.2021).